Kommentar: Marina Weisband und die Piraten

Hallo,
eigentlich wollte ich ja dieses Wochenende nichts mehr schreiben und mich auskurieren, allerdings schwirrt mir schon einige Tage durch den Kopf, was ich so bei Spiegel Online und anderen Meiden gelesen habe und nun auch aus erster Hand bei Marinas Lied gelesen habe. Es geht natürlich um die Piratin Marina Weisband.
Diese hat vorgestern, am 27.01., nämlich verkündet, dass sie sich aus der Parteispitze zurückzieht (hier oder hier beispielsweise nachzulesen).

Das Interview mit der Welt zeigt dabei schon die Position Weisbands, wobei es, folgt man ihrem Wortlaut, keinen wirklichen Rückzug aus der Politik geben wird.  Sie macht nur Pause um ihr Diplom fertig zu stellen.
Natürlich interessiert sich nicht wirklich jemand für meine Meinung, erst recht nicht „Erwachsene“, als Minderjähriger hat man da doch eine untergeordnete Position.

Wie die Piraten sehe ich mich selbst als Politiker der neuen Generation. Mir sagt keine politische Richtung wirklich zu. An den Piraten  reizt mich zumindest, dass sie neu sind. Es gibt zwar noch viel, dass sie lernen müssen, bis sie von einer reinen Internetpartei zu einer heranwachsen, die sich auch mit anderen Themen auseinandersetzt und eine klare Meinung dazu findet. Ansonsten werden es immer nur die Jungen bleiben, die ihre Stimme als stummen Protest den Piraten geben. Dies kann es ja wohl auch nicht sein. Mir fehlt einfach wirklich diese Transparenz in der Politik, ich möchte auch als Jugendlicher wissen, wie die genauen Meinungen sind, was genau passiert, warum wer wofür stimmt. Deshalb begeistert mich auch diese „Transparenz“ von der die Piraten sprechen, sehr. Ob sie die diese Punkte nun wirklich umsetzen können, so dass es ein politischer Standard wird, ist fraglich, aber auf jeden Fall einen Versuch wert!

Ein Beispiel: Themen hingegen wie der kostenlose Nahverkehr sind meiner Meinung nach nur Lückenfüller, selbst ich als Junge, der sich nur hin und wieder mit Politik beschäftigt und so ziemlich keine Ahnung von Finanzen und Geld hat, merkt doch, dass so etwas einfach nicht bezahlbar ist. Als Bewohner einer 120.000-Einwohner Stadt rechne ich mit 10.000 Menschen, die täglich den Nahverkehr nutzen, da es eben auch viele Dörfer etc. gibt, die an meine Stadt angebunden sind. Eine Busfahrt lassen sich die Busunternehmen mit 3,50€ bezahlen, vielleicht machen sie dabei dann circa 2€ Gewinn (grob geschätzt). Rechnen wir also mal mit 1,50€, die das Unternehmen für Sprit, Personal und Wartung aufwenden muss und dabei auch noch 50 Cent Gewinn machen möchte und dem Bund einen Freundschaftspreis anbieten würde. Hin&Rückfahrt zusammen, zur Arbeit, Schule, Uni, was auch immer – 4€ pro Tag, pro Woche 20€, pro Monat knapp 80€. Monatstickets gibt es bei unserem Busunternehmen momentan für 82€, also kalkuliere ich einfach mal mit 40€ im Monat, die der Bund pro Monat und Person abdrücken muss. Macht für 10.000 Menschen nur 400.000€/Monat bzw. 4.800.000€ pro Jahr. Wenn meine, nicht wirklich gute, Hochrechnung auf 12 Millionen Menschen erweitert würde, läge man da so 5,7 Milliarden Euro pro Jahr. Geld, welches definitiv sinnvoller eingesetzt werden kann.

Doch dies sollte nur ein (vielleicht auch überhaupt nicht gutes) Beispiel sein, vielleicht zeigt es auch nur, wie wenig Ahnung ich wirklich vom Rechnen und Kalkulieren habe. Ist ja auch egal.

Also, nun möchte ich noch einmal auf Marina Weisband eingehen. Einige der Piraten kommen teilweise, nun ja, komisch rüber, treffender vermag ich es einfach nicht zu formulieren.  Marina Weisband dagegen sticht aus der Masse der klassischen Piratenanhänger deutlich heraus, durch ihr anmutiges und starkes Auftreten hat sie sich zu einer wahren Medienpersönlichkeit entwickelt, welche die Piraten, die oftmals als Haufen Nerds bezeichnet werden, eindrucksvoll nach Außen repräsentiert. Ich teile nicht die Auffassung, dass es viele unfähige Menschen unter den Piraten gibt, doch einige werden sicher aus Protest dort mitwirken. Für mich sticht Marina aus dieser Masse von teils Gesichtslosen Piraten heraus und legt die Ziele gut dar. Egal ob sie in Interviews für das Fernsehen oder die Zeitung oder in Talkshows auftritt, sie zeigt sich fast immer von der besten Seite und kann gut mithalten.
Ob ihr ein Satz wie der berühmte von Andreas Baum ausgerutscht wäre, weiß ich nicht und ich habe auch etwas ähnliches nie mitbekommen. Aber viele Millionen Euro und 63 Milliarden sind dann wohl doch ein kleiner Unterschied. Solche Fehltritte darf man sich einfach nicht erlauben, ein bestimmtes Basiswissen sollte man doch schon haben, wenn man sich im TV präsentiert und wenn man das eben nicht hat, dann eignet man es sich an oder redet sich geschickt raus. Das schätze ich so Marina Weisband. Sie zeigt, dass man als junger Mensch ohne jahrelange professionelle Erfahrung in der Politik schnell aufsteigen kann und trotzdem professionell agieren kann, das macht sie auf jeden Fall zu einer Art Vorbild für mich.

Insofern finde ich es ziemlich schade, dass sie sich zurückzieht und freue mich trotzdem, dass sie im Hintergrund beziehungsweise einfach nicht in der Parteiführung weiter agieren wird. Dies macht natürlich wieder Platz für einen weiteren Menschen, doch es darf meiner Meinung nach einfach nicht sein, dass dieser Platz mit einem Lückenfüller besetzt wird. Es geht mir darum, dass dort jemand sitzt, der Ausstrahlung, Sympathie und Klugheit besitzt, der nicht in Fettnäpfchen tritt und einfach Politik macht, wie wir sie heute brauchen, moderne Politik.

Für das, was du bisher geleistet hast und wie du durch deinen Charme, so sehe ich das zumindest, die „Großen Parteien“ vorgeführt hast, dafür danke ich dir.
Ich freue mich schon darauf, dass du nach deinem Diplom wieder zurückkehrst und da weitermachst, wo du aufgehört hast – dabei, den Piraten ein Gesicht zu geben und sie zu formen!

Danke! 

Ich sammle hier dann noch ein paar Links über den Abgang Marinas:
Deutschlandecho

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5 Gedanken zu „Kommentar: Marina Weisband und die Piraten

  1. Ovid99 sagt:

    Entschuldige die Korrektur: Von den 3,50 .- pro Busfahrt ist kein Cent Gewinn. (Im Normalfall). Das sind alles subeventionierte Preise. Preise, die kostendeckend wären, könnte der einfache Kunde gar nicht bezahlen. Es stecken also jetzt schon Milliarden in den Öffis. Da noch ein paar mehr hinzuzulegen, dafür aber einen wesentlich größeren Teil der Bevölkerung in die Öffis zu locken, das hat schon etwas. Viel weniger wird beachtet, dass leider der Spruch gilt: „was nichts kostet, ist nichts wert“. Man kann z.B. annehmen, dass bei absoluter Freifahrt die Beschädigungen in den Zügen und Bussen dramatisch steigen würden. Dafür gibt es Erfahrungsberichte aus Regionen, die das versucht haben. Zum Schluss eine Frage die mich wirklich interessiert: Was treibt einen jungen Menschen dazu, solche Blogs ins net zu stellen? Hast du keine Freundin oder einen Fußballverein? Das klingt jetzt nicht wirklich freundlich, bitte um Vergebung, aber ich meine es genau so, wie ich es sage. In deinem Alter habe ich an Demos teilgenommen, Unis besitzstreikt usw. , aber ich hätte die nie die Zeit gehabt, solche Zeilen zu verfassen. Action outdoor war angesagt.

    • Admin sagt:

      So, dann beantworte ich erstmal die Zeilen über den Artikel:
      Ich bin über die Korrektur natürlich sehr dankbar, das zeigt natürlich umso mehr, wie wenig Ahnung ich einfach von solchen Dingen habe.
      Deine Schlussfolgerungen finde ich absolut nachvollziehbar, ich habe nie den Anspruch erhoben, da irgendetwas Korrektes zu fabrizieren.

      Nun mal zu den Zeilen mit dem Bezug auf das Private:
      Ich bin kein Nerd, der keine Hobbys hat. Ich bin ziemlich viel in Aktion, mache 5-6x die Woche Sport, engagiere mich im Fußball-Verein als Spieler und Trainer, in der SV, als Stufensprecher und bin gar nicht mal so unbeliebt, mag ich zumindest zu behaupten. Ich habe einfach Spaß daran, meine Meinung zu Themen zu veröffentlichen, mir ist dabei in erster Linie nicht allzu wichtig, wie viele Menschen das lesen, wer es liest und wie das ankommt. Bei deiner Formulierung zum Beispiel ist da schon ein kleiner, negativer Beigeschmack, der ahnen lässt, dass dir nicht gefällt was ich schreibe. Zumindest habe ich ja geschafft, dass du den Artikel (mindestens teilweise) liest 😀
      Zeit&Lust zum Schreiben finde ich trotzdem.

      Vielleicht liest du diesen Kommentar niemals mehr, aber ist ja auch egal.
      Es geht mir darum, zu reflektieren, was in der Welt passiert, worin meine Interessen liegen oder worin ich Spaß habe.

      Ich bedanke mich trotzdem für deinen Kommentar und wünsche dir einen schönen Abend! 🙂

      • Ovid99 sagt:

        Nein, nein, meine spitze Bemerkung war nicht auf den Inhalt bezogen. Ich bin noch ohne Internet und PC aufgewachsen, mann war das super. Auch ein Handy hatte wir nicht. Wenn die Kollegen zum Treffen nicht erschienen sind, haben wir 15min gewartet und am nächsten Tag gefragt, was denn dazwischengekommen war. Die Dates waren viel spannender: Kommt sie? Kommt sie nicht? Wenn sie nicht da war, hat es oft Tage gedauert, bis der Grund klar war. Was für eine Zeit. Ohne die ständige Verfügbarkeitsdemonstration. Ich habe jetzt auch einen Blog errichtet (oder wie heißt das richtig?) aber es steht nichts auf dieser Seite, es war noch nicht so weit. Wenn man alles unter einen Hut bringt, und noch die Zeit hat, auch einmal der Zeit zuzusehen, dann finde ich das schon OK.
        Fußball habe ich auch gespielt, Trainer war ich auch.

        Immer wieder wundere ich mich über die Zeitkiller, die auch noch teuer verkauft werden. Gestern hat mir ein Bekannter sein neues Iphone4s glaube ich, gezeigt. Der kann mit dem Ding reden: „Ruf den Admin an“, sagt er dem Ding, und es tut, was ihm geheißen. Schön für Querschnittsgelähmte, aber sonst?
        Wie du lesen kannst, habe ich mich natürlich dieser Entwicklung nicht verschließen können, sonst könnte ich hier nicht schreiben. Ich bin sogar im facebook zu finden, weil mein Sohn auch dort zu finden ist und er weit weg studiert. Ein Handy habe ich auch, aber die Töne, die es produziert, wenn jemand anruft, sind so leise gestellt, dass ich sie nicht hören kann und nur abends sehe ich nach, wer etwas wollte.

        Der Unterschied Blog-Tagebuch ist einfach zu finden. Früher hat man ein Tagebuch geschrieben, ganz für sich alleine, zugesperrt mit einem Schloss und meistens noch richtig versteckt. Zur späteren Selbsreflexion. Heute stellt man seine Gedanken ins net und ist froh, wenn es möglichst viele Menschen lesen. Komisch, irgendwie. Auf denn, zu den hektischen Schlagzeilen der nächsten Woche.

        Übrigens bin ich über die Seite der Marina Weisband über dich gestolpert.

        Jetzt folgt ein Online-Schachspiel. Dafür bin ich dem Internet sehr dankbar.

        LG

  2. Du sagstest:
    „Aber viele Millionen Euro und 63 Milliarden sind dann wohl doch ein kleiner Unterschied.“

    Sehe ich nicht so.
    Du würdest mir sicher zustimmen, wenn ich sage, dass 63.000 Äpfel eben viele Äpfel sind. Also kann logischerweise auch sagen, dass 63.000 Mio. eben viele Mio. sind.
    Und weil „viele Mio. = 63.000 Mio.“ und „63.000 Mio. = 63 Mrd.“, so gilt „viele Mio. = 63 Mrd.“

    Ansonsten: Man sollte MW nicht auf Grund ihres Aussehens gut finden, sondern auf Grund ihres Sachwissens. Menschen auf Grund ihres Aussehens / Ausstrahlung zu beurteilen halte ich für ethisch fragwürdig.

    • Admin sagt:

      Ich kann natürlich nicht beurteilen, in welcher Relation du zu o.G. Personen stehst. Allerdings bin ich der Meinung, dass „viele Millionen“ einfach eine Ausrede waren, das hat nichts mit richtiger Politik zu tun. Zudem sehe ich mich auch nicht als Piraten-Hasser, im Gegenteil unterstütze ich es sogar, dass mal frischer Wind in die Politik kommt; ein wenig Kompetenz kann man aber wohl verlangen, erst Recht wenn es um regionale Themen geht!

      Zu Marina:
      Passenderweise habe ich heute ein Seminar besucht, dass sich mit Facebook-Seiten für Unternehmen beschäftigt. Was nutzt es dem besten Unternehmen, bei Facebook zu sein, wenn es dort 50 Fans hat. Ist das nicht eher abschreckend als positiv für die Firma als Marke? So sehe ich es auch bei den Piraten. Es muss jemand die Piraten nach Außen verkörpern und dies ist durch M.W. eben sehr gut passiert. Ihr politisches Wissen und Ihre Stärke ist, das hat man in Talkshows gesehen, unbestritten, weshalb ich das genauso stehen lassen möchte wie die ethische Fragwürdigkeit. Kenne ich einen Menschen nur aus der oder der Perspektive, kann ich es mir nicht rausnehmen, ihn aus einer Anderen zu beurteilen!

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